Antrag an die Synode des Bistums der Altkatholiken in Deutschland


Die Synode möge beschließen, eine

Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung

einzurichten.


Diese Kommission

- umfasst paritätisch (Laien und Geistliche) neun bis 15 Mitglieder, die nicht ausschließlich aus den Reihen der Synode kommen müssen;

- ermutigt bis zur nächsten Synode im Bistum und den Gemeinden einen Diskussionsprozess zu den Themen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung; dieser Prozess wird von der Kommission moderiert;

- legt der nächsten Synode ein Dokument vor, das eine altkatholische Sicht auf den konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung beschreibt, sowie diesbezügliche Prinzipien und Handlungsoptionen für die Altkatholische Kirche und ihre Glieder aufzeigt.

Begründung:

Die Herausforderungen in der globalisierten Welt sind für uns Christen mannigfaltig und stellen uns vor konkrete Fragen, wie wir zu mehr Gerechtigkeit, Frieden und zur Bewahrung unserer Schöpfung beitragen können. Wir stellen fest, dass durch wirtschaftliche, politische und technologische Entwicklungen einerseits zwar materieller Fortschritt und Reichtum generiert werden, andererseits daran nur wenige Menschen teilhaben können. Zudem steht diesem materiellen Fortschritt nur selten ein spiritueller Fortschritt, etwa im Sinne eines Weltethos, gegenüber.

Einige Gemeinden haben die Erfahrung gemacht, dass es ein Bedürfnis und eine Herausforderung zugleich ist, gemeinsam mit unseren Schwestern und Brüdern über Wege zu mehr Gerechtigkeit, Frieden und zur Bewahrung der Schöpfung nachzudenken. Dabei geht es sowohl um den Meinungsaustausch zu politischen Fragen, wie auch um die spirituelle Herausforderung angesichts der Globalisierung. Und es geht um den konkreten Beitrag unseres Bistums, der einzelnen Gemeinden und der Gläubigen selbst.

Die römische Kirche hat im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils mit der „Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute“ ein umfassendes Dokument vorgelegt, das den konziliaren Prozess in Teilen antizipiert. In jüngerer Zeit haben der Lutherische Weltbund mit seiner Botschaft „Die Welt, die Heilung braucht“ (10. Vollversammlung 2003 in Winnipeg, Kanada) und der Reformierte Weltbund mit seinem Bekenntnis „Bund für wirtschaftliche und ökologische Gerechtigkeit“ (24. Generalversammlung 2004 in Accra, Ghana) eindrucksvolle Beschlüsse vorgelegt, die Christinnen und Christen für den Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in der Welt von heute wichtige Impulse geben können.

Es ist an der Zeit, das auch die altkatholische Stimme zu diesen Fragen vernommen werden kann. Dies kann gemäß der Verfasstheit unserer Kirche nur als Ergebnis eines Prozesses erfolgen, der möglichst das ganze Bistum umfasst. Das Ergebnis sollte ein Papier sein, über das wir auch mit den anderen Kirchen der Utrechter Union ins Gespräch kommen können.







Antrag an die Synode des Bistums der Altkatholiken in Deutschland

 

Die Synode möge beschließen, eine

Kommission zur Aufarbeitung der Geschichte der ins Bistum der Altkatholiken inkardinierten „Franziskushof-Gemeinschaft“ bei Zehdenick

einzurichten.

 

Diese Kommission

- umfasst paritätisch (Laien und Geistliche) neun bis 15 Mitglieder, die nicht ausschließlich aus den Reihen der Synode kommen müssen;

- hat die Aufgabe, die Geschichte des Franziskushofes unter Berücksichtigung theologischer, spiritueller, sozialer, ökonomischer und ökologischer Aspekte aufzuarbeiten und daraus Schlüsse auf den künftigen Umgang mit Kommunitäten im Bistum der Altkatholiken abzuleiten;

- wird im Rahmen ihrer Tätigkeit das Gespräch mit ehemaligen Bewohnern des Franziskushofes suchen;

- wird auf der Grundlage der Geschichte des Franziskushofes unter Berücksichtigung theologischer, spiritueller, sozialer, ökonomischer und ökologischer Aspekte Wege zur Versöhnung mit den ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohnern des Franziskushofes suchen;

- wird der nächsten Synode einen Bericht über ihre Tätigkeit zur Diskussion vorlegen.

 

Begründung:

Lange Zeit galt der Franziskushof als soziales Vorzeigeprojekt nicht nur der Berliner Gemeinde sondern des ganzen Bistums. In diesem sozialen Projekt sollten Suchtkranke durch Tätigkeiten im tiergerechten Landbau ein sinnerfülltes Leben finden sollten. Der Franziskushof erfuhr wirtschaftlichen Aufschwung und eröffnete Gaststätten in Berlin. Fiskalische Ungenauigkeiten brachten das Projekt mehr und mehr in Misskredit. Es mehrten sich auch Stimmen, dass dort ökologische Ansprüche nicht eingehalten wurden und menschliche Arbeitskraft ausgebeutet wurde. So sollen zu bestimmten Zeiten von 25 dort lebenden Personen nur sieben sozialversichert gewesen; jahrelang soll Bewohnern die Renten- und Krankenversicherung vorenthalten worden sein, eine Nachzahlung durch Kirche oder Insolvenzverwalter des Franziskushofes habe nie stattgefunden.

Das Selbstverständnis des Leiters der Einrichtung geriet mehr und mehr in Kritik. Sogar Vorwürfe des Missbrauchs und krimineller Machenschaften wurden laut. Suchtkranke hätten keine Therapieangebote bekommen. Es scheint, als wären Suchtkranke durch ihre Abhängigkeit ausgebeutet worden.

Betroffene suchten das Gespräch mit der Kirchenleitung: Mit dem Bischof kam kein Gespräch zu Stande, Gespräche mit dem zuständigen Pfarrer und dem Kirchenvorstand in Berlin führten nicht zu Linderung oder Aufhebung der Missstände.

Eine offene, mutige und aufrichtige Auseinandersetzung mit dem Franziskushof fand nicht statt. Schließlich wurde das einstige Vorzeigeprojekt abgewickelt. Mit dem Tod des leitenden Diakons Bruder Thaddäus schien ein Schlussstrich gezogen. Der weitere Werdegang der anderen ehemaligen Bewohner der Einrichtung wurde nicht kirchenöffentlich thematisiert, was im Gegensatz zur vorherigen publizistischen Bedeutung des Projekts stand. Eine kirchenöffentliche Debatte über das Scheitern der Einrichtung fand nicht statt. Transparenz war nicht gewollt.

Gerade aber auf dem Hintergrund der Missbrauchsskandale insbesondere in Einrichtungen der römischen Kirche sollten auch wir Altkatholiken offen mit unseren Fehlern und Irrwegen umgehen. „…und die Wahrheit wird euch frei machen“, heißt es im Johannisevangelium. Wenn wir als Christen dieses Wort ernst nehmen wollen, müssen wir uns auch der Geschichte des Franziskushofes stellen, den in diesem Zusammenhang erhobenen Vorwürfe und unserem möglichen Versagen. Wir sollten Wege zur Versöhnung mit den ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohnern des Franziskushofes suchen. Bruder Thaddäus ist tot. Die ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner des Franziskushofes leben aber und das Bistum ist ihnen eine offene Auseinandersetzung mit dem Projekt schuldig.